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Highspeed auf der Fahrradautobahn – Nauders nach Meran

Saftige Wiesen vor einem Alpenpanorama
Los geht es bei blauem Himmel

86km ab Kilometer 7 fast nur bergab oder zumindest eben. Obwohl wir noch mitten in den Alpen sind, war heute eine entspannte Tour ins italienische Meran.

Es begann kalt und endete heiß

Obwohl durchgehend keine Wolke am Himmel zu sehen war, waren die Bedingungen heute am Tag sehr unterschiedlich. Morgens für mich viel zu kalte 10 Grad, bei Ankunft in Meran nahezu 30 Grad.

Blauer Himmel und Idylle
Idylle pur

Die Alpen haben sich am dritten Tag verändert. Während insbesondere von Imst nach Nauders die Berge sehr schroff waren, werden sie nun „weicher“ und mit mehr grünen Gipfeln. In Österreich waren die Wege sehr idyllisch, in Italien sind sie sensationell gut geworden. Man hat fast das Gefühl auf einer Fahrrad-Autobahn zu sein. Sie sind durchgehend asphaltiert, an beiden Seiten Begrenzungslinien und häufig sogar Mittelstreifen. An Kreuzungen sind die Fahrbahnen rot und Begrenzungszäune verhindern, dass man auf die falsche Fahrbahn gerät. Selbstverständlich gibt es Abbiegespuren und Sperrflächen.

Richtig toll ist aber der Zustand und die Wegführung. Obwohl sie nun wirklich an schönen Ecken vorbeiläuft, sind sie extrem gerade und laden zum Gas geben ein. Einziger Nachteil ist, dass nicht nur wir die Strecke genossen, sondern halb Italien unterwegs war (Sonntag eben). Aufgeteilt waren sie zu jeweils 1/3 Mountainbike-, Rennradfahrer und Familien mit Anhänger oder mit Minifahrräder für die Kinder. An den Seiten gab es gemütliche (natürlich ausgeschilderte) Rastparkplätze genauso wie Bikegasthöfe und Selbstbedienungsstellen mit Apfelsaft.

Der Fluss Etsch in Italien
Die Etsch war fast den ganzen Tag unsere Begleitung

Ort zum Verlieben

Anfangs waren die italienischen Orte kleine Dörfer, deren Häuser eng aneinander gebaut waren und nur kleine Gassen uns den Durchlass erlaubten. Einfach toll. Später wurden die Dörfer moderner, schicke Cafés luden zum einkehren ein.

Ein beliebtes Panorama auch für uns: Daniela und ich vor dem versunkenen Kirchturm

Die Grenze zwischen Österreich und Italien war mal wieder nur an einer Italienflagge zu erkennen. Kurz darauf erschien der Reschensee. Dieser wurde 1950 zu einem Stausee erweitert. Dabei musste ein ganzes Dorf weichen und wurde überspült. Einziges Überbleibsel aus dieser Zeit ist nur der Kirchturm, der wie ein Felsen aus dem See rankt. Surreales Bild.

Meran: Eine Stadt mit zwei Hintergründen

Die Brücke als Einfahrtstor nach Meran
Meran wie auf einer Postkarte

Weil wir so gut und schnell fahren konnten, waren wir relativ schnell an unserem Ziel: Meran. Es ist eine spannende Stadt, die sowohl sprachlich, kulinarisch wie auch kulturell zwischen Italien und Tirol festhängt. Mit deutsch kommt man hier gut voraus und speisen kann man entweder typisch italienisch oder traditionell Tiroler Art. Meran macht aber zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass es nicht das eine noch das andere ist. Die bilaterale Art macht den Charme Merans aus und ist deshalb auf erfrischende Art anders. Ich mag Meran.

Wie immer, die Tour im Überblick:

Nie mehr erster Gang oder wie wir den Reschenpass verflucht haben

strahlend blauer Himmel in Österreichs Alpen
Guten Morgen Österreich

Die wirklichen schweren Teile unserer Alpenüberquerung haben wir heute gemeistert. Der Reschenpass war sicherlich der körperlicher Höhepunkt, die Tour von Imst nach Nauders bot aber auch ansonsten große sportliche Herausforderungen, die wieder einmal im Wechsel atemberaubende und idyllische Passagen auftraten.

Schöne Strecke mit dem Höhepunkt Reschenpass

Der Streckenverlauf ist einfach zu erklären. Die Gesamtstrecke war etwa 70km und endete quasi mit dem Rechenpass.

Gegen Nachmittag waren Gewitter angesagt und so sind wir schon um 7:30 Uhr gestartet, um im Trockenen anzukommen. Der Weg führte zunächst parallel zur Autobahn, aber in einem so großen Abstand, dass wir diese gar nicht wahrnahmen. Im Gegenteil: Es war ein gut asphaltierter Weg an schönen Landschaften und durch urigen und touristischen Orten.

Eine idyllische Hütte vor einem Bergpanorma
Wieder eine traumhafte Kulisse

Schon nach 10 km kamen kleine, fiese Steigerungen, die komischerweise bis zum Ende der Tour immer größer und kraftverbrennender wurden. Zum Anfang war das aber überhaupt nicht schlimm, weil der Weg einfach toll war.

Die Inn schlingert sich durch die Alpen
Heute begleitete uns der Inn

Einziger Wermutstropfen war der Schiss um das Wissen, zum Ende kommt der Reschenpass. Eine Stelle, an der wir innerhalb von 6,5 km 500 Höhenmeter überwinden mussten und uns sicher an die Grenzen bringen würde.

Breite Straße in den Alpen
Kräftezehrender Weg auf Schweizer Seite

Eine Viel-Länder-Tour

Weitere Besonderheit heute war noch, dass wir zwar in Österreich gestartet und in ebenfalls in Österreich unser Ziel erreichten, zwischendurch aber durch die Schweiz einige Kilometer fuhren. Diese Durchfahrt war unmittelbar vor dem Reschenpass. Laut Höhenprofil unserer Navigation sollte in der Schweiz eine kleine Steigerung sein. Tatsächlich war diese jedoch für mich zermürbend. Über 5 km ging es stetig bergauf. An jeder Kurve erhoffte ich das Ende. Es ging aber immer weiter. Puh! Am Ende der anschließend kurzen Abfahrt war die Talstation des Reschenpasses, die zugleich auch Grenze zwischen der Schweiz und Österreich ist. Wir machten erst einmal Einkehr. Ich war sowas von fertig, so dass ich ernsthaft überlegte, den Reschenpass mit einem Bus (mit Fahrradmitnahme) zu nehmen. Daniela erstickte meine Überlegungen im Keim. „Das schaffen wir sicher und wenn wir schieben und 10.000 Pausen machen.“

Ein Blick von hoch oben ist die Belohnung für die Anstrengung am Reschenpass
Blick auf die Talstation bei Kehre 7

Unsere heutige Herausforderung: Der Reschenpass

Dann ging es los: Serpentinen mit insgesamt 11 Kehren, die sinnigerweise ausgeschildert waren. Nummer 11 war der Anfang, Nummer 1 markierte die letzte Kehre. Der Anfang bis zur Kehre 11 war schon so dermaßen lang, dass ich überlegte, umzukehren. Der Bus würde sicher bald starten und uns komfortabel zu unserem Ziel bringen. Wir hatten sicher auch ohne diesen blöden Pass genug geleistet. Dank eines Mixes aus Wasser, Gatorade und Kochsalz (mein Geheimtipp gegen Krämpfe) ging es dann irgendwie zur Kehre 11. Ich dachte, wie es sich schließlich für anständige Serpentinen gehört, folgen nun im guten Abstand von 200m die nächsten Kehren. Weit gefehlt. Nach Kehre 11 folgte die nächste endlos lange und endlos steile Strecke. Danach gab es dann tatsächlich von 10 zu 9 eine kürzere Strecke, aber nur um mir Hoffnung für den weiteren Verlauf zu geben, die dann kaltherzig nicht eingehalten wurde. Nach zahllosen weiteren Enttäuschungen 1,5 Liter Getränk und einigen Pausen erreichten wir tatsächlich Kehre 4. Ich war richtig am A….äh ich war richtig kaputt. Umkehren war an dieser Stelle aber auch irgendwie doof. Also weiter durch Kehre 3, 2 und 1. Ich kannte diesen Pass. Sicher folgten nun noch 2-3 km Steigung ohne Kehre bis zum Gipfel. Daniela rief 300m nach der letzten Kehre von hinten „da vorn ist der Gipfel“. Ich sah da zwar auch eine vielversprechende Stelle in weiteren 300m, aber sicher folgte da eine weitere Steigerung. Dieses Mal tatsächlich nicht!

Ich konnte es nicht fassen. Wir hatten nicht nur den Tag und diesen gottverdammten Reschenpass geschafft, sondern auch die größten Steigerungsherausforderungen hinter uns gelassen. Jetzt glaube ich wirklich daran, dass wir den Gardasee erreichen und damit unsere Alpenüberquerung gelingt. Schon ein Gefühl von Stolz.

Jetzt sitzen wir hier im Hotel in Nauders. Mittlerweile hat es stark angefangen zu regnen. Unser Wetterglück hält an. Am Reschenpass hat es zwar angemessen kräftig gedonnert und gaaaanz leicht gerieselt, das Wetter war aber auch am heutigen Tag toll. Vielleicht nur ein bisschen warm. Alles besser als Regen. Nur nebenbei bemerkt: Fleißig wechseln sich mein linkes und rechtes Bein mit Krämpfen. Egal, das ist es mir wert.

Schöner Blick auf das Örtchen Nauders
Blick vom Hotel auf Nauders

Morgen machen wir jetzt erst einmal einen Belohnungs-Pausentag.

Wie immer, die Tour im Überblick:

Unser erster Bergpass ist geschafft: Von Füssen in das österreichische Imst

Wir passieren das Grenzschild nach Österreich
Einfahrt nach Österreich

Geflucht, geschwitzt, geschoben, gelitten, geschafft! Ich gebe offen zu, so schwer habe ich mir das nicht vorgestellt. Große Herausforderung der heutigen 72km langen Tour war der Fernpass zwischen Reutte und Imst. Einfach waren die übrigen Strecken am heutigen Tag aber keinesfalls.

Der Beginn der Tour

Um 8:15 Uhr stiegen wir in Füssen auf unsere Fahrräder. Da war schon deutlich, es wird ein verdammt heißer Tag. Tatsächlich kamen wir mit 29 Grad im Schatten gegen 17 Uhr in unser Hotel in Imst an.

Ein guter Start in die Tour: Eine traumhafte Bergkulisse
Traumhafte Bergkulisse

Schon kurz nach Füssen zeigten sich die mächtigen Berge der Alpen zu einem atemberaubenden Massiv. Wie Schlangen zeigten sich die Wege zwischen ihnen. Dennoch zeigten sich schon nach 10km kleine, aber sehr intensive Anstiege. Nach 17km begann der erste von drei echten Passanstiegen. Schnell fanden wir heraus, Steigungen bis 12% konnten wir fahren. Danach war nur noch Schieben möglich. Das gemeine war dann aber noch, dass die richtig heftigen Steigungen nicht auf Asphalt sondern sich auf Schotterpisten befanden. Das machte die Anstiege noch anstrengender. Und so mussten wir bereits vor dem Fernpass die steilsten Abschnitte schieben. Das machte ja Mut für die echten Herausforderungen.

Ein Blick auf die Zugspitze
Blick auf die Zugspitze

Der Fernpass brachte uns an unsere körperlichen Grenzen

Mit Kilometer 39 begann dann der Fernpass. Die ersten Kilometer verliefen zwar relativ steil, aber auf Asphalt. Hart, aber das Fahren war möglich. So verlor der Respekt vor diesem Pass schnell an Schrecken. Selten habe ich mich so getäuscht. Gleich nachdem wir dann von der Asphaltstrecke abbogen, begannen die richtig heftigen Anstiege. Schnell mussten wir einsehen, das einige davon geschoben werden mussten. Für mich bedeutet das Schieben eines vollbeladenen Fahrrades mehr Anstrengung als eben zu fahren. Bei 12% Steigung auf Schotter war das aber nicht möglich. Und so geriet ich schnell an meine physischen Grenzen. Die letzen 2,5km des Passes waren dann unglaublich steil. Ich verfluchte alles, was mir in die Quere kam. Die E-Bike Fahrer, den Schotterbelag, die Sonne und die blödsinnige Idee, durch die Alpen zu radeln. Überglücklich schafften wir es aber dann doch.

Das Tal aus Sicht vom Fernpass
Wunderschöner Blick ins Tal

Laut unserem Navigationssystem Komoot, sollten dann die letzten 25km nach Imst nur noch bergab gehen. Tatsächlich ging es die ersten Kilometer vom Pass runter sehr steil bergab. Auf Schotter nicht ganz ungefährlich. Daniela entschied sich sogar einige Passagen bergab zu schieben. Ich fuhr zwar die gesamte Strecke, hatte aber höllischen Respekt. Eine gestürzte Radlerin am Wegesrand, die gerade erste Hilfe bekam, als ich passierte, war weitere Warnung.

Ein asphaltierter Radweg säumte uns den Weg nach Imst
Die letzten Meter nach Imst

Natürlich kamen entgegen Komoots Versprechen noch ganz gemeine Steigungen. Unsere Ankunft in Imst

Letztendlich kamen wir dann in unserem Gasthof Neuner zwar völlig erschöpft aber total glücklich an.

Trotz aller Strapazen war der heutige Tag riesig. Tolle Landschaften, wahnsinnige Bergmassive, atemberaubende Panoramen und idyllische Wege haben und für alles entschädigt. Wir empfinden es als großes Privileg sowas erleben zu dürfen. Und so wissen wir zwar, dass Morgen alles noch anstrengender wird, aber wir freuen uns trotzdem drauf.

Wie immer, die Tour im Überblick:

Gemütliches Einstimmen in Füssen

Der Tag davor

8. Juli 2020. Wir sind in Füssen angekommen und haben einen schönen Tag in dieser touristischen Stadt verbracht. Urlaub ist das für mich aber noch nicht. Der beginnt Morgen. Unsere Alpenüberquerung.

Da sind wir nun. Wir sitzen gemütlich in einem Restaurant in Füssen und malen uns aus, wie die Tour wird, was sie uns bereiten wird. Meine Befürchtungen, große Qualen auf den Bergpässen zu erleiden, hat sich massiv reduziert. Zum einen fühle ich mich viel fitter und zum Anderen haben wir diverse Erlebnisberichte von Rad-Alpenüberquerungen gelesen und gesehen. Die haben es auch geschafft und wir werden es auch schaffen. Basta!

In den letzten Monaten habe ich bis zu sechsmal in der Woche Sport betrieben. Sei es Joggen, ein online-Fitnessprogramm mit Detlef Soost (oh mein Gott, der ist so das Gegenteil von authentisch) oder am heimischen Olymp in der Wingst Fahrrad-Bergtraining. Ich fühle mich bereit und freue mich natürlich. Die Wetterprognosen sind vorsichtig positiv. Also was soll jetzt noch schief laufen.

Wie letztes Jahr die Deutschlandtour fängt auch dieses Jahr unsere Tour in Füssen an. Nur eben nicht Richtung Norden, sondern mitten in die Alpen und dann übers Trentino an den Gardasee. Via Claudia Augusta heißt der Weg. Früher wohl Route der Römer zur Überquerung der Alpen, heute touristischer Weg für Wanderer und Radler. Eigentlich beginnt dieser Radweg in Donauwörth. Weil wir aber schon letztes Jahr die Strecke Donauwörth – Füssen (nur eben andersrum) gefahren sind, starten wir nun in Füssen. So fahren wir nicht 515 km sondern nur 401 km. Während die Radler auf der ursprünglichen über 100km sich einfahren können, bevor es anspruchsvoll wird, beginnt es für uns relativ rasch mit herausfordernden Anstiegen. Besonders sind dabei die beiden Bergpässe „Fernpass“ (gleich am ersten Tag) und der „Reschenpass“ am zweiten Tag. Insgesamt 2.850 Höhenmeter sind zu überwinden. Fünf Tourtage haben wir geplant. Insgesamt stehen uns aber elf Tage zur Verfügung. Einen Pausentag haben wir berücksichtigt und den Rest wollen wir am Gardasee verbringen, um unsere Wunden zu lecken äh um einen schönen Ausklang an einen unserer Lieblingsurlaubsorte zu genießen.

Ein schwerer Abschied

Nach 21 Jahren bin ich bei einer außergewöhnlichen Gelegenheit schwach geworden. Simplon ersetzt Merida.

Würde ich ein Tester sein, würde ich mich für Fahrradwerkstätten entscheiden. Das Ergebnis wäre jedoch, zumindest bislang, desaströs. Letzte Woche durfte ich wieder einen Beweis erhalten. Auch aus diese Erfahrung entschloss ich mich zu einem seit längeren fälligen Schritt.

Schon während der Deutschlandtour wurde in mehreren Werkstätten festgestellt, dass der Steuersatz meines Fahrrades (quasi das Gelenk für den Lenker) defekt ist und erneuert werden muss. Weiterhin funktionierte die Schaltung seit einiger Zeit nicht so, wie sie es soll. Gerade auf der kommenden Tour mit vielen Anstiegen, kommt der Schaltung eine große Bedeutung zu. Also brachte ich Das Fahrrad in die Werkstatt. Und wenn es dort schon ist, bat ich auch um eine Inspektion. Den Namen der Werkstatt nenne ich mal besser hier nicht. Als ich das Fahrrad wieder abholte, hatte ich schon so eine Vorahnung. Meine Testfahrt direkt vor der Werkstatt bestätigte mich: Die Schaltung machte nach wie vor Probleme. Es wurde daran nichts gemacht. Ein Nachstellen vom Mechaniker brachte dann zwar eine gewisse Verbesserung, perfekt würde es jedoch nur durch eine große Reparatur, aber lohnt sich das noch bei meinem 21 Jahre alten Fahrrad? Zuhause kam es dann noch dicker: Das Austauschen einer Schraube am Steuersatz hat keine Wunderheilung des Steuersatzes bewirkt. Der war weiterhin defekt. Natürlich war ich stinksauer auf die Werkstatt. In der Wirkung machte es aber wenig Unterschied: Diese Reparatur lohnt sich nicht mehr.

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Aber nun zum Wesentlichen: Vor zwei Jahren fuhr ich bei einem Besuch eines Fahrradladens ein Simplon-Fahrrad und war schier begeistert. Da mein Fahrrad aber noch in Ordnung war und mir 1.900€ für ein neues Fahrrad – mal so ganz spontan – viel zu teuer war, kaufte ich das Simplon natürlich nicht. Letzte Woche überlegte ich natürlich wieder, fuhr zu einem weiteren Händler und die Begeisterung wiederholte sich. Ein weiterer Punkt war dann die Farbe. Dieses Fahrrad wurde auch in einem dunklen blau angeboten und sah einfach klasse aus. Einziger Haken: Das Fahrrad in der Farbe war im Werk ausverkauft und der Händler hatte auch nicht das Passende vorrätig. Also entschied ich mich wieder einmal, das Thema auf die neue Saison zu verschieben. Wie es manchmal so kommt, waren wir am nächsten Tag in Einem Hamburger Fahrradhändler um nach Radkleidung zu schauen. Ich staunte nicht schlecht. Die hatten doch tatsächlich das Simplon in dem tollen Blau und in meiner Größe dort stehen. Da die Fahrt nach Hamburg bei jeglichen Inspektionen und Reparaturen in der Garantiezeit zu weit erschien, kaufte ich das Fahrrad allerdings nicht.

Auf der Zugfahrt nach Hause schaute ich mich dann nach Onlinepreisen und nach jungen Gebrauchtfahrrädern um. Und tatsächlich stieß ich bei Ebay Kleinanzeigen auf ein ein Jahr altes, jedoch nie benutztes (??) Simplon, das genau meinem Wunsch entsprach. Dieses Fahrrad sollte 980€ kosten. Das hätte ich sofort gekauft, wenn der Artikelstandort nicht Frankfurt wäre. Irgendein Haken ist ja immer. Dennoch nahm ich mit der Verkäuferin, die das Fahrrad bei einer Preisverleihung gewann, es aber versäumte es zeitnah zu verkaufen, weil sie es nicht fahren wollte. Natürlich hätte ich es sofort kaufen können, aber der Preis zzgl. Fahrkosten erschien mir nicht günstig genug. Die Situation änderte sich jedoch grundlegend, als sie sich bereit erklärte, mir das Fahrrad auch für 800€ zu überlassen. Und so fuhr ich am übernächsten Tag nach Frankfurt und hatte mein Wunschfahrrad zu einem Schnäppchenpreis.

Jetzt besitze ich das österreichische Fahrrad Simplon Spotlight Pure. Neben der tollen Qualität und des schönen Aussehens, beeindruckt mich vor allem die Schnelligkeit des Fahrrads. Ich kann zwar nicht erklären, warum es so schnell ist, aber ich find es einfach toll.

(K)eine verrückte Idee für Flachlandtiroler

Sommer 2020 und trotz Corona ist eine Tour möglich. Mehr oder weniger spontan entscheiden wir uns für eine Alpenüberquerung. Enden soll die Tour in einem unserer Lieblingsorte: Riva der Garda. Ein Vorbericht.

Ich kann mich nur noch dunkel erinnern. Es war auf dem Rheinradweg, auf einer Etappe. Es war schönes Wetter und ein Augenblick, in dem ich die Fahrt so unendlich genoss. Der Gedanke schoss mir irgendwie plötzlich in dem Kopf: Ja, warum nicht den Via Claudia Augusta zum Gardasee? In diesem Momenten des Genießens auf dem Fahrrad zu sein mit perfekten Umgebungsvariablen. Wie kann es sonst dazu kommen,  so konsequent die doch so offensichtlichen Strapazen einer Alpenüberquerung zu unterschätzen, ja fast ignorieren. Ich erinnerte mich wieder an dem Moment, als wir im Zug von München nach Füssen saßen, um von dort aus unsere Deutschlandtour nach Hause zu starten. Da war der Mann mit seinem Sohn, der uns von ihrer Alpenüberquerung erzählte, als ob er gerade einen gemütlichen Sonntagsspaziergang vorhat. Natürlich waren Daniela und ich voller Bewunderung, so etwas -aus unserer Sicht unmögliches – tatsächlich durchzuführen. Voller Vorfreude auf die Tour, tat er unsere Bewunderung als „ach, das ist nicht wirklich schwer“ ab. Und in diesem Moment auf dem Rheinradweg gab ich ihm erstmals Recht. Eigentlich ist das doch gar nicht so schwer. Schließlich hatten wir uns auf der Deutschlandtour auch durch die ein oder andere Steigung durchgekämpft. Dann kann das doch nicht so schlimm sein und die Leute haben auch erläutert, dass es kein Problem sei. Und so malte ich mir die schönen Alpenpanoramen und die Entdeckung der Ufer des Gardasees aus. Ich schwärmte in sturer Ignoranz, dass dieser Vater im Füssen-Zug 15 Jahre jünger und doppelter Anzahl an Kilogramm leichter war, kurzum seine körperliche Verfassung einem Ferrari glich während ich vom Typ Dampflock bin. Egal, jetzt ziehen wir das durch.

Nun sind es noch 11 Tage bis es los geht. Trotz großer Aufregung wegen der bevorstehenden Anstrengung freuen wir uns riesig. Seit der Entscheidung sind fünf Wochen vergangen. Wir haben die Zeit so gut es geht genutzt, um genügend Fitness aufzubauen. Neben eines straffen Abnehmprogrammes und fünf bis sechsmal Sport in der Woche, machen wir sogar einmal die Woche an dem in unserer Nähe befindlichen Kleinberg „Olymp“ in der Wingst.. .

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Malerischer gehts nimmer: Mainz bis Boppard

Wieder 77 km. Wieder Rhein. Was sich im ersten Augenblick nach einem billigen Deja vu anhört, war tatsächlich eine märchenhafte Strecke. Und obwohl die gestrige Tour schon schön war, ähnelt sie bis auf die beiden, vorgenannten Fakten kaum der heutigen Tour. Kurzum: Wir waren im Rheingau und hatten -wieder einmal – eine wunderschöne Tour hinter uns gebracht.

Anfänglich verlief der Weg heute weniger am Rhein sondern durch Auenlandschaften auf guten, asphaltierten Untergründen. Als wir dann endlich den Rhein erblickten, blieb er auch den gesamten Tag treuer Begleiter. Beidseitig wechselten sich dann an den Ufern malerische Weindörfer, die so aussehen, als ob sie im 17 Jahrhundert stehengeblieben sind, Burgen, wie ich sie in der Anzahl noch nie an einem einzigen Tag gesehen habe, sowie viele Weinberge, die mit großen Lettern ihre Weine anpriesen.

Natürlich wusste ich, dass Rheingau ein touristisch orientiertes Weinbaugebiet ist. Was Ich nicht wusste ist, dass es auch außerhalb des Weines eine absolute touristische Attraktion ist. Die Orte an sich, wie auch die vielen Burgen sind so historisch bedeutsam, dass sie in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden sind. Ich habe keine Ahnung über die Inhalte und Aufnahmekriterien der UNESCO, aber ich würde blind unterstützen, das Rheingau hat die Aufnahme verdient. Bingen, Rüdesheim, St. Goar und Bingen sind große Touristenhochburgen, die von dem Ambiente stark profitieren. Das besondere am Rheingau ist in meinen Augen aber, dass auch die kleinen Orte ebenfalls wie eine Mittelalterstadt aussehen. Bacharach ist dafür ein gutes Beispiel. Es hat kaum 2.000 Einwohner und es war (zumindest heute, was auch an Corona liegen kann) Tote Hose in der Altstadt. Vom malerischen her, ist es aber Weltklasse – und natürlich mit eigener Burg. Schneewittchen im Dornröschenschlaf.

Gässchen in Bacharach

Angekommen sind wir dann in Boppard. Die Stadt gehört zwar ebenfalls zum Weltkulturerbe, unterscheidet sich dann aber doch von den mittelalterlich geprägten Orten des Rheingaus. Boppard versucht konsequent die Karte des Luftkurortes auszuspielen. Im Mittelpunkt steht dann auch die Uferpromenade. Dort reihen sich Hotels und Boutiquen. Das ist alles ganz nett, die anderen Orte gefallen mir aber besser.

Der zweite Tag mit nahezu 80km und heißen Wetter hat mir heute etwas zu schaffen gemacht. Heute Morgen hatten wir noch in Erwägung gezogen, die von Mainz 100km entfernte Stadt Koblenz anzufahren. Bereits in der „Mittagspause“ haben wir den Plan aber aufgegeben. Es heißt ja, dass Kondition im Laufe der Tour aufgebaut wird. Schauen wir doch einmal, was morgen möglich ist. Hetzen tut uns keiner und so hegen wir keinerlei Ehrgeiz, Streckenrekorde aufzustellen. Vielmehr sehe ich es als Herausforderung, neben schönen Städten auch mal kleine malerische Orte mit einem urigen Gasthaus mit guter Küche zu finden. Schauen wir mal…..

Ludwigshafen bis Mainz: Der willkürliche Startpunkt des Rheinradwegs

77 km betrug die Strecke unserer ersten Etappe. Gestartet In im südlichsten Teil des in Sachen Hotelöffnung frühesten Bundesland: BASF-City äh Ludwigshafen. Eine abwechslungsreiche Strecke hat uns dann in die Landeshauptstadt Mainz geführt. Es war eine tolle Tour.

Es ist wirklich nicht zu verstehen. Auf 99% unserer Touren ist die Sonne unser treuester Begleiter. Letzte Woche noch war nicht damit zu rechnen, dass wir morgens in T-Shirt starten können und abends mit 24 Grad Celsius am Ziel ankommen. Ich müsste Flügel haben, so sehr trifft das Sprichwort „Wenn Engel reisen“ auf uns zu.

Nibelungenbrücke in Worms

Ludwigshafen mit seinen 166.000 Einwohnern ist absolut vom Chemiekonzern BASF geprägt. Die ersten 30 Minuten sind wir an deren Werksgelände vorbeigefahren. Als wir dachten, endlich sind wir vorbei, weil wir eine Schule sahen, berichtete uns ein Hinweisschild „BASF-Schulungscenter“. Ein abschließendes Wasserwerk entpuppte sich als Wasserwiederaufbereitungsanlage von -wen denn wohl- BASF. Und so nahmen wir anfangs den Rhein nur als Industriehafenbecken wahr. Auch in den nächsten Orten grenzte der mitteleuropäische Fluss an Industrieanlagen, die vom Rhein aus mit Rohstoffen versorgt worden bzw. ihre Produkte mit Schiffen liefern.

Erst nach gut 25 km ließen die Industrieanlagen nach und schlagartig zeigte der Rhein sich von seiner romantischsten Art und Weise. Die Ufer wurden bergig und es erschienen riesige Weinfelder (nennt man die so?). Malerische Städte wie Oppenheim, Nierstein und Nackenheim, die ganz offensichtlich im Mittelalter materiell vom Wein profitierten, durchquerten wir. Der Abschied jedes dieser Ort fiel uns schwer. Wie gern hätten wir dort unser Hotel ausgesucht und den Abend in einer Wirtschaft eines Winzers verbracht. So hätten wir aber das Ziel unserer Reise erst Mitte November erreicht. Also hieß es Kilometer machen.

Gegen 16 Uhr sind wir dann in Mainz angekommen. Am Rheinufer reihten sich Cafés und andere Lokalitäten. Es war Montag Nachmittag. Es sah nach einem riesigen Stadtfest aus. Von Corona war nichts zu spüren. Oder war es die Befreiung, endlich wieder die Gastronomie nutzen zu dürfen, kombiniert mit dem gefühlten Sommeranfang?

Der Altstadt von Mainz sieht man nicht nur deutlich ihre wohlhabende Vergangenheit an, sondern sie ist auf Gemütlichkeit getrimmt. Sei es wegen der vielen Terrassen von Cafés, Restaurants usw., aber vor allem wegen der etlichen Weinhäuser (so heißen hier die Weinlokale). Viele von denen haben dann nach einen bezaubernden Innenhöfe. Denen tut zumindest optisch die wegen Corona reduzierten Tische gut. So kommen die Backsteinmauern, die vielen Pflanzen und die verwinkelten Ecken noch besser zu Geltung. Mainz, Du bist eine tolle Stadt!

Morgen geht es denn weiter gen Norden. Die Wettervorhersage wird uns wohl wieder dicke Sonnencreme und kurze Kleidung aufdiktieren. 26 Grad soll die Höchsttemperatur betragen.

An der Seite des schönen Rheins

Trotz aller Widrigkeiten geht es wieder los. Dieses Mal hat es uns an den romantischen Rhein verschlagen. Knapp 450km verbringen wir auf dem insgesamt 1.500 km langen, angeblichen schönsten Radwegs Europas: dem Rheinradweg. Dabei werden wir den Teil des Radweges fahren, der sich in Rheinland Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Diesen Streckenabschnitt haben wir nicht ganz freiwillig ausgesucht, mindert aber keinesfalls unsere Vorfreude




Nach der Deutschlandtour in 2019 sind nunmehr über sieben Monate vergangen. Wir können es kaum abwarten, dass es wieder auf eine mehrtägige Tour geht. Insgesamt haben wir sieben Tage Zeit um die 450km zu absolvieren. Scheinbar genügend Möglichkeiten, auch wieder Land und Leute kennenzulernen. Ein Blick auf die Wettervorhersage erhöht unsere Freude. Es soll bis zu 25 Grad Celsius warm werden und überwiegend trocken bleiben. Dennoch bleibt ein kleines mulmiges Gefühl. Wir sind mitten in der Corona-Zeit und die Hotels öffnen mit Beginn unserer Reise. Und das ist auch der Grund, weshalb wir uns genau für diesen Streckenabschnitt entschieden haben. Während Bayern und vor allem Baden Württemberg ihre Hotelpforten erst eine Woche später öffnen, passen die Öffnungen der Hotels in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen genau mit unserem Urlaub überein. Es gibt zwar hinsichtlich der maximalen Belegung und der Regelungen bei Frühstück (und auch bei den Restaurants) Einschränkungen, aber dennoch können wir dort übernachten. Ich habe zwar Vertrauen in die Handlungen der Regierungen, kann aber nicht ein kleines, mulmiges Gefühl leugnen.

Heute ist der 17. Mai 2020 und wir befinden uns gerade im Zug nach Ludwigshafen bei Mannheim. Ludwigshafen ist die südlichste Stadt von Rheinland-Pfalz am Rhein. Dort verbringen wir eine Nacht und starten Morgen den Rheinradweg in Richtung Norden und hoffen bis nach Mainz (knapp 80km) zu kommen. Anschließend geht es weiter durch Städte wie Koblenz, Remagen (das mit der Brücke aus dem zweiten Weltkrieg), Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg.

Online: Der zusammenfassenden Films unserer Tour

Insgesamt 530 Fotos und Videos haben wir geschossen bzw. aufgenommen. Diese Szenen sind die Zusammenfassung vieler toller Erlebnisse, die wir in den unserer erleben durften. In der Hoffnung, dass diese Szenen unsere Begeisterung transportieren können, haben wir sie zu einem Film zusammenfasst, sie kommentiert und in insgesamt sechs Teilen in YouTube veröffentlicht.

Hoffentlich kann diese Zusammenfassung Freude bereiten und die Lust wecken, auch einmal das Erlebnis einer Fahrradreise anzugehen.